Hier finden Sie die Wahlprüfsteine des Landesverbandes Berlin-Brandenburg der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik e.V. (DeGeDe) für die schulische und außerschulische Demokratiebildung.
In einem Brief hat der Landesverband Fragen formuliert, die die DeGeDe bildungspolitisch als Maßgabe für gute Politik identifiziert. Diese Fragen wurden an alle im Abegeordnetenhaus vertretenden demokratischen Parteien verschickt, mit der Bitte zu den verschiedenen Themen Stellung zu beziehen.
Alle Antworten, die bis Ablauf der Frist eingegangen sind, werden hier in alphabetischer Reihenfolge der Parteien für Sie dargestellt.
1. Demokratiebildung in Schulen
- Wie wollen Sie die Verankerung von Demokratiebildung im Berliner Schulgesetz weiterentwickeln?
- Planen Sie, Demokratiebildung als verbindlichen Bestandteil in allen Schulformen, auch im OSZ, zu stärken? Wenn ja, wie konkret?
- Soll in Berlin auch die “Verfassungsviertelstunde” eingeführt werden?
- Wie sollen Schulen unterstützt werden, um Formate in den Bereichen Partizipation, Engagement im Sozialraum, Kinderrechte, Prävention gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit u.a. zu entwickeln und nachhaltig umzusetzen?
- Welche Maßnahmen planen Sie gegen demokratiefeindliche Einstellungen im schulischen Kontext?
- Wie stehen Sie zu der Einrichtung eines/einer Kinderrechtsbeauftragten?
Bündnis 90/Die Grünen
Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit – sie muss erlebt, gelernt und verteidigt werden. Schulen sind dafür zentrale Orte. Die Demokratiebildung ist unserer Ansicht nach im Schulgesetz bereits sehr gut verankert – der Knackpunkt ist vor allem die Umsetzung in den Schulen. Deswegen unterstützen wir einerseits Programme, die die Interessengruppen in der Schule über ihre Rechte aufklären, und wollen andererseits die Demokratiebildung als Qualitätsmerkmal guter Schule in der Schulinspektion und den Schulverträgen verankern. Demokratiebildung umfasst für uns politische Bildung, Kinderrechte, Beteiligung, Diversität, Menschenrechtsbildung und diskriminierungskritisches Lernen.
Besonderen Entwicklungsbedarf sehen wir an den Grundschulen im Bereich der formalisierten Beteiligung und an den Oberstufenzentren im Allgemeinen. Auch hier müssen Formate wie der Klassenrat flächendeckend umgesetzt werden und zum Beispiel auch Themen wie betriebliche Mitbestimmung verankert werden.
Eine “Verfassungsviertelstunde” kann ein sinnvoller Baustein sein, jedoch ist der Schulalltag von Schüler*innen bereits jetzt stark verdichtet. Statt zusätzlicher verpflichtender Formate für alle Schulen, wollen wir deshalb mehr Freiräume schaffen, um in die Beziehungsarbeit zu gehen und sich an den Interessen der Schüler*innen zu orientieren. Dabei können explizit auch Themen aus dem gesellschaftlichen Alltag und der politischen Bildung – so wie die Grundlagen unserer Verfassung, Kinderrechte, Antidiskriminierung, Teilhabe – thematisiert werden.
Gegen demokratiefeindliche Einstellungen braucht es Prävention, politische Bildung, klare Haltung sowie gut ausgestattete Beratungs- und Unterstützungsangebote. Die Schule als pädagogischer Raum, aber auch als Schutzraum steht hier in besonderer Verantwortung. Grenzüberschreitungen müssen klar benannt, zurückgewiesen und ggf. geahndet werden – gleichzeitig stehen Schulen in der Verantwortung, diese pädagogisch zu reflektieren und aufzuarbeiten.
Die Rechte von Kindern wollen wir weiter stärken und unterstützen die Weiterentwicklung von Strukturen zur Wahrung der Kinderrechte.
Die Linke
Die Linke Berlin will die Berliner Schulen weiter demokratisieren und Demokratie im Schulalltag noch stärker erlebbar machen. Den Klassenrat verstehen wir dabei als zentrales Instrument, ebenso wie das Schulfach politische Bildung. Ziel des Schulfachs Politische Bildung ist es, junge Menschen zu politischer Mündigkeit und demokratischem Handeln zu befähigen. Wir wollen es deshalb stärken und perspektivisch auch an Grundschulen (ab Jahrgangsstufe 4) sowie an beruflichen Schulen etablieren.
Zudem brauchen Schüler*innen auch in der Schule Rückzugsorte und selbstorganisierte Räume, in denen sie sich begegnen, ausprobieren und ihren Schulalltag mitgestalten können, ohne bewertet oder benotet zu werden. Solche Orte, wie Schulclubs an weiterführenden Schulen, wollen wir fördern. Die schulgesetzlich vorgeschriebenen Gremien auf Schul-, Bezirks und Landesebene wollen wir bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben stärker unterstützen. Erweiterte Schulleitungen wollen wir verbindlich an allen Schulen etablieren.
Wir streben zudem die Einsetzung einer Landeskinderschutzbeauftragten an, in deren Aufgabenbereich auch die Erstellung eines ressortübergreifenden Masterplans Kinderschutz fallen soll. Inwiefern ihr Aufgabengebiet vom Aspekt des Kinderschutzes auf Kinderrechte in ihrer gesamten Breite ausgeweitet werden kann, wollen wir – sehr gerne im Dialog mit Ihnen – prüfen. Die für 2027 und Folgejahre prognostizierte Haushaltslage Berlins lässt allerdings befürchten, dass neue Beauftragten-Strukturen nur schwerlich umzusetzen sein werden.
2. Aus- und Fortbildung des pädagogischen Personals
- Wie wollen Sie Lehrkräfte und andere Pädagog-/innen intensiver auf Demokratiebildung und politische Bildung vorbereiten?
- Planen Sie verpflichtende Fortbildungen zu Themen wie Extremismusprävention, Diversität und Partizipation?
- Wie können Lehrkräfte und andere Pädagog-/innen Schutz und Unterstützung bei Angriffen auf ihre demokratische Bildungsarbeit erhalten? (vgl. 5)
Bündnis 90/Die Grünen
Demokratiepädagogik, Diversität, Antidiskriminierung und politische Bildung sind Grundlagen professionellen pädagogischen Handelns und sollen daher auch in der Aus-, Fort- und Weiterbildung adressiert werden. Einen abgeschlossenen Katalog verpflichtend zu belegender Fortbildung halten wir angesichts der Unterschiedlichkeit der Schulgemeinschaften, der Voraussetzungen der Pädagog*innen und der Vielzahl berechtigter Interessen nicht für zielführend.
Wir setzen uns für qualitativ hochwertige Fortbildungsangebote zu Demokratiebildung, Extremismusprävention, Antisemitismus, Rassismus, Antifeminismus sowie diskriminierungskritischer Pädagogik ein. Diese sollen am BLiQ in Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen und wissenschaftlichen Akteur*innen angeboten werden. Wer sich für Demokratie engagiert, verdient Rückhalt. Deshalb wollen wir Beratungsangebote, Krisenunterstützung und klare Verfahren bei Angriffen auf Lehrkräfte und pädagogisches Personal weiter ausbauen.
Die Linke
Wir sehen Kitas, Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen als wichtige Orte der Demokratiebildung und fordern für Pädagog*innen entsprechende Module als regelhafte Lehrinhalte in Ausbildung und Studium.
Bei der konzeptionellen Überarbeitung des Lehramtsstudiums wollen wir sicherstellen, dass die Querschnittsthemen pädagogische Haltung, Umgang mit Diversität, Inklusion, Antidiskriminierung, Medienbildung, Demokratiebildung, Schulentwicklung im Studium verbindlich mehr Raum bekommen. Wir setzen uns zudem für ein attraktives, qualitativ gutes und praxisnahes Fort- und Weiterbildungsangebot für die Beschäftigten der Berliner Schulen ein. U.a. die Themenfelder Demokratiebildung und Medienbildung, Inklusion und Antidiskriminierung wollen wir durch verbindliche Fort- und Weiterbildungsangebote stärken. Dazu sollen Schulen zusätzliche Studientage erhalten und die Themen eine feste, auch personelle Verankerung im BLiQ und im SFBB erhalten.
3. Partizipation von Kindern und Jugendlichen
- Welche konkreten Maßnahmen planen Sie, um die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Schulen und im Kiez zu stärken?
- Wie wollen Sie Jugendparlamente oder andere Beteiligungsformate ausbauen und verbindlicher machen?
- Werden Sie Beteiligungsrechte gesetzlich stärken? Wenn ja, in welcher Form?
Bündnis 90/Die Grünen
Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Mitbestimmung. Wir wollen Beteiligung verbindlicher gestalten – sowohl in Schulen als auch im Sozialraum. Deshalb soll ganz Berlin zur „Kinderfreundlichen Kommune“ werden. Wir wollen, dass unsere Kinder echte Beteiligungserfahrungen sammeln – sei es in strukturell verankerten Kinder- und Jugendgremien, bei Bauprojekten im Stadtteil oder in Klimaschutzinitiativen. Dazu schaffen wir die rechtlichen Grundlagen für Stimm- und Antragsrechte von Kinder- und Jugendgremien in allen zwölf Bezirksverordnetenversammlungen durch die Festschreibung dieser im Bezirksverwaltungsgesetz. Wir setzen uns auch weiterhin für die Etablierung altersgerechter, inklusiver sowie pädagogisch begleiteter Beteiligungsformate ein, in denen Kinder und Jugendliche ihre Perspektiven in die Gestaltung ihres direkten Lebensumfeldes miteinbringen können, z. B. bei der Ausstattung von Spielplätzen, bei Maßnahmen der Verkehrssicherheit oder der Pflanzung von Stadtbäumen. Die Kinderrechte der UN-Kinderrechtskonvention wollen wir in der Verfassung Berlins, im Bezirksverwaltungsgesetz und in der frühkindlichen Bildung verankern.
Wir sorgen dafür, dass die gesetzlich verankerten Klassenräte auch in allen Schulen und Klassen verbindlich umgesetzt werden und achten darauf, dass auch Schüler*innen in Willkommensklassen von Beginn an die gleichen demokratischen Rechte wahrnehmen können wie alle Schüler*innen.
Die Linke
Die Linke Berlin hat sich seit vielen Jahren für das Wahlrecht ab 16 engagiert, dieses erfolgreich mit durchgesetzt und bekennt sich weiterhin klar dazu. Für eine breitere Repräsentation junger Menschen im politischen Raum prüfen wir eine weitere Absenkung des Wahlalters. Wir werden darauf hinarbeiten, dass das Wahlrecht eines jungen Menschen unabhängig vom Nachweis der deutschen Staatsbürgerschaft an seinen tatsächlichen Lebensmittelpunkt gekoppelt ist.
Auf Bundesebene fordern wir die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz in einer Form, die nicht hinter der UN-Kinderrechtskonvention und der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zurückbleibt.
Demokratische Jugendverbände und Vertreter*innenorganisationen von Kindern und Jugendlichen sowie Jugendbildungsstätten sind für uns unverzichtbare Partner.
Die Arbeit der Schüler*innenvertretungen werden wir durch ein eigenes Budget und klare Rechte stärken, insbesondere auch an Grundschulen, und partizipative Projekte wie die Schüler*innenhaushalte ausbauen.
Den Jugenddemokratiefonds wollen wir finanziell aufstocken. Wir wollen bezirkliche Kinder- und Jugendparlamente stärken und sie mit weitgehenden Rechten ausstatten. Um wirksame Unterstützungs- und Förderangebote für Kinder- und Jugendbeteiligung zu etablieren, braucht es eine lebensweltorientierte Planung mit Verbindlichkeit, Rückkopplung und einer zeitnahen Umsetzung der formulierten Bedarfe.
Siehe außerdem 10!
4. Außerschulische Demokratiebildung
- Wie wollen Sie freie Träger und Initiativen der politischen Bildung langfristig finanzieren und absichern? (vgl. Punkt 7)
- Welche Rolle sollen Jugendzentren, Vereine und freie Initiativen in der Demokratiebildung spielen?
Bündnis 90/Die Grünen
Demokratiebildung endet nicht am Schultor. Jugendverbände, Vereine, Bildungsinitiativen und freie Träger leisten unverzichtbare Arbeit.
Wir wollen diese Arbeit langfristig absichern. Gute Demokratiebildung braucht Planungssicherheit statt kurzfristiger Projektlogik. Zudem wollen wir sie vor Einschüchterungen und Angriffen schützen, die sie aufgrund ihrer menschenrechtsbasierten Arbeit immer wieder durch rechte Gruppierungen erfahren müssen.
Jugendzentren, Vereine und freie Initiativen verstehen wir als wichtige demokratische Lernorte und möchten ihre Zusammenarbeit mit Schulen weiter stärken. Eine wichtige Rolle kommt in diesem Zusammenhang auch der qualitativen Weiterentwicklung des Ganztags zu.
Die Linke
Der Wert der außerschulischen Bildungslandschaft Berlins ist nicht hoch genug einzuschätzen. Wir kämpfen für eine auskömmliche Finanzierung der Träger und wollen Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Angeboten intensivieren, insbesondere auch im Ganztagsbereich. Auch die Bildung für nachhaltige Entwicklung wollen wir voranbringen.
Das Programm „Politische Bildung an Berliner Schulen“ wollen wir stärken und Kooperationen zwischen Schule und außerschulischen Trägern durch eine auskömmlich finanzierte Koordinierungsstelle unterstützen, denn Politische Bildung und Demokratiebildung finden auch an vielfältigen außerschulischen Lernorten statt.
Die Berliner Landeszentrale für politische Bildung als zentrale Akteurin im Bereich der politischen Bildung von der frühkindlichen bis zur Erwachsenenbildung wollen wir in ihrer Unabhängigkeit stärken und institutionell sowie finanziell absichern.
Jugendzentren sehen wir als einen zentralen Ort der Demokratiebildung an. Hier können – jenseits von Elternhaus und Schule – demokratische Prozesse geübt und Lebenswelten konkret ausgestaltet werden. Sie sind ein möglicher Ort, an dem das von uns geplante Jugendbudget Form annimmt.
5. Umgang mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung
- Welche Strategien verfolgen Sie zur Prävention von Rechtsextremismus, Antisemitismus, Rassismus und islamischer Radikalisierung unter Jugendlichen?
- Wie wollen Sie Schulen und Jugendeinrichtungen im Umgang mit diskriminierenden Vorfällen unterstützen? (vgl. 2, dort Pädagogen)
Bündnis 90/Die Grünen
Wir treten entschieden gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus, Rassismus, Antiziganismus, Queerfeindlichkeit sowie jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ein. Prävention beginnt früh und verbindet politische Bildung, Demokratiepädagogik und soziale Unterstützung. Wir setzen auf diskriminierungskritische Schulentwicklung sowie Fortbildungsangebote unter Einbezug der Zivilgesellschaft. Die ideologischen Angriffe des schwarz-roten Senats auf queere Bildung und Bildungsprojekte, die sich gegen Queerfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus richten, weisen wir entschieden zurück. Wir halten diese Projekte auch im Sinne der Prävention für zentral, um Akzeptanz, Diskriminierungssensibilität und Respekt unter Schüler*innen zu befördern, und werden sie weiter ausbauen und fest als Angebote an den Berliner Schulen etablieren.
Schulen und Jugendeinrichtungen sollen durch spezialisierte Beratungsstellen, Fortbildungen und multiprofessionelle Teams unterstützt werden. Betroffene von Diskriminierung in Schulen und Jugendeinrichtungen müssen wirksam geschützt werden. Dafür werden wir eine Unabhängige Beschwerdestelle (UBS) als Teil der LADG-Ombudstelle als eigene Behörde einrichten.
Die Linke
Extreme Rechte werben vermehrt unter Jugendlichen für ihr Weltbild, suchen sich Zugang zu Jugendfreizeiteinrichtungen oder sprechen gezielt offene Bedürfnislagen von Jugendlichen an. Hier brauchen wir eine Stärkung der bezirklichen Straßensozialarbeit sowie klare Handlungsanweisungen, Zuständigkeiten und Meldeketten, die bei akuten Vorkommnissen deeskalierend wirken und die Betroffenen schützen. Wir werden zielgruppenspezifische Aussteiger*innenprogramme und Maßnahmen ausbauen, die begünstigende Faktoren wie eigene Gewalterfahrungen, erschwerte Bildungszugänge sowie fehlende berufliche und soziale Integration abmildern. Angebote zur Bekämpfung von Kinderarmut müssen enger miteinander verzahnt werden, denn soziale Ungerechtigkeit macht junge Menschen nachweislich anfälliger für autoritäres Gedankengut. Die Meinungsfreiheit der Träger der Jugendarbeit ist ein hohes Gut, das eine differenzierte Auseinandersetzung mit extremen Rechten und Demokratiefeindlichkeit erst ermöglicht und das Die Linke vehement verteidigt.
Der gesellschaftliche Rechtsruck der letzten Jahre stellt auch die Schulgemeinschaften vor große Herausforderungen. Wir wollen Schulen dabei unterstützen, sich diesen zu stellen: durch auskömmlich finanzierte Präventions- und Empowerment-Angebote für Schüler*innen, durch Fortbildungen für Pädagog*innen, durch Leitlinien zum Umgang mit extremen Rechten an Schulen und durch ein ganz klares Bekenntnis zum wertegeleiteten Bildungsauftrag aus § 1 Schulgesetz. Sowohl Schüler*innen als auch Pädagog*innen und Schulleitungen können sich im Falle extrem rechter Vorkommnisse oder Anfeindungen unserer Unterstützung sicher sein. Für von Schüler*innen initiierte Projekte gegen Rechts und für Demokratie wollen wir spezielle Fördermöglichkeiten schaffen.
Die Linke setzt sich konsequent gegen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Queerfeindlichkeit, Ableismus, Diskriminierung aufgrund des sozio-ökonomischen Status, Mobbing und Gewalt an Berliner Schulen ein. Dafür braucht es endlich eine abgestimmte und funktionsfähige Strategie. Kernstück sollte aus unserer Sicht eine unabhängige Beschwerdestelle sein, angedockt an die Landesantidiskriminierungsstelle. Sie soll als niedrigschwellige Beratungs- und Unterstützungsstelle für Schüler*innen und Eltern dienen und neben den Diskriminierungstatbeständen nach dem Berliner Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG) auch in Konfliktlagen tätig werden können, die sich aus dem Schulgesetz ergeben und z. B. im Bereich Inklusion. Dafür muss sie mit den entsprechenden Akteneinsichts- und Durchgriffsrechten ausgestattet sein. Im Falle des Nichttätigwerdens der neuen Beschwerdestelle für Schulbeschäftigte nach § 13 AGG sollen sich diese ebenfalls an die unabhängige Beschwerdestelle wenden können. Zudem wollen wir die Stelle und den Einfluss des*der Antidiskriminierungs- sowie Mobbingbeauftragten der Bildungsverwaltung stärken. Ihre Zuständigkeit sehen wir vor allem im Bereich der diskriminierungssensiblen Organisationsentwicklung innerhalb des Zuständigkeitsbereichs der Bildungsverwaltung.
Wir setzen uns auch für eine diskriminierungssensible Jugendarbeit ein. Sie muss ein sicherer Ort für alle und ein eigenständiger Schwerpunkt einer stadtweiten Antidiskriminierungsstrategie sein, hier braucht es Empowerment-Ansätze, zielgruppengerechte politische Bildung, (digitale) Gewaltprävention und Diversitätsmanagement in Jugendverbänden und Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit. Wir setzen uns flächendeckend in allen Bezirken für Antirassismus sowie für feministische und queere Projekte ein, damit jeder junge Mensch unsere Stadt gleichberechtigt mitgestalten kann.
6. Digitale Demokratiebildung
- Welche Konzepte haben Sie zur Förderung von Demokratiebildung und politischer Bildung im digitalen Raum?
- Wie sollen junge Menschen im Umgang mit Social Media, Fake News und Algorithmen gestärkt werden?
- Planen Sie spezifische Programme zur Stärkung von Medienkompetenz und kritischem Denken?
- Planen Sie Kooperationen mit Plattformen oder Bildungsanbietern?
Bündnis 90/Die Grünen
Gesellschaftliche Prozesse finden heute auch digital statt. Deshalb wollen wir Medienbildung und informatische Bildung deutlich stärken.
Für eine moderne, resiliente digitale Bildung bauen wir die Medienkompetenzzentren aus und etablieren Medienteams an jeder Schule. Diese unterstützen Lehrkräfte und Schüler*innen dabei, Desinformation zu erkennen, Quellen kritisch zu prüfen und Algorithmen sowie KI-Anwendungen zu verstehen. Medien- und Informationskompetenz sowie Medienresilienz verankern wir dabei nach internationalem Vorbild integrativ und fächerübergreifend in der verbindlichen Umsetzung der Rahmenlehrpläne – von der Analyse manipulierter Bilder im Kunstunterricht bis hin zur Reflexion sprachlicher Manipulation und statistischer Verzerrungen.
Die Linke
Der selbstbestimmte und differenzierte Umgang mit Medien und Informationen, nicht nur, aber auch im digitalen Raum, ist eine Kernkompetenz der heutigen Gesellschaft. Medienmündigkeit von Kindern und Jugendlichen gehört deshalb zu den zentralen Zielen einer zukunftsorientierten Schulbildung. Medienbildung inklusive des reflektierten und kritischen Umgangs mit digitalen Werkzeugen, künstlicher Intelligenz und Datenschutzfragen, aber auch Mediensuchtprävention müssen bereits ab der Grundschule verbindlich in den Rahmenlehrplänen (insbesondere im Fach politische Bildung, aber auch fachübergreifend) und in den schulinternen Curricula verankert werden. Die Schulgemeinschaften müssen entsprechend geschult und die Ressourcen für Elternarbeit ausgebaut werden, um auch sie frühzeitig einzubeziehen. Auch der schulische Ganztag bietet Anknüpfungspunkte. Wir planen deshalb die Schaffung einer Weiterqualifizierung zum*r Facherzieher*in für Medienpädagogik.
Wir wollen eine Kinder- und Jugendarbeit, die die digitale Realität junger Menschen ernst nimmt. Wir werden digitale Räume als Orte der Selbstentfaltung schützen. Soziale Medien wirken aber teilweise wie ein Brennglas gesellschaftlicher Problemlagen, junge Menschen werden hier oft zum Spielball kommerzieller Interessen. Unser Grundsatz lautet deshalb: Wir kontrollieren Plattformen, nicht Kinder und Jugendliche. Statt auf eine rigide Verbotspolitik setzen wir auf Befähigung: Wir wollen gut ausgestattete Medienkompetenzzentren in allen Bezirken, kostenfreie, pädagogisch begleitete Angebote und regelmäßige Schulungen für pädagogische Fachkräfte, damit junge Menschen, Eltern und Fachkräfte souverän und kritisch mit digitalen Medien umgehen können. Junge Menschen müssen als Zielgruppe von Vermarktungsstrategien bspw. beim Online-Shopping oder beider Ernährung alle Hilfen bekommen, um Konsumfallen zu erkennen und nachhaltig zu handeln.
7. Ressourcen und Finanzierung
- Wie hoch soll das Budget für Demokratiebildung und politische Bildung in Berlin künftig sein?
- Planen Sie eine langfristige institutionelle Förderung oder eine projektbasierte Finanzierung? (vgl. 5)
- Wie wollen Sie die Qualität und Wirkung der geförderten Maßnahmen evaluieren?
Bündnis 90/Die Grünen
Demokratiebildung braucht eine verlässliche Finanzierung. Mit dem Landesdemokratiefördergesetz setzen uns für eine dauerhafte Absicherung erfolgreicher Programme und eine stärkere institutionelle Förderung bewährter Träger ein. Dafür wollen wir auch die bisherige Zuwendungspraxis mit dem Ziel, Bürokratie abzubauen und langfristigere Förderungen zu ermöglichen, genauer unter die Lupe nehmen. Denn Demokratiebildung verstehen wir als dauerhafte öffentliche Aufgabe und nicht als zeitlich begrenztes Projekt.
Die Linke
Wir wollen mehr Verlässlichkeit und Planbarkeit für die Träger von Demokratiebildung und demokratischer Bildung (und anderer zuwendungsfinanzierter Bildungs-, Beratungs- und Unterstützungsangebote) schaffen. Dafür müssen wir das geänderte Zuwendungsrecht endlich auch anwenden, so dass wiederkehrende Leistungen verbindlich und vor allem länger als für die Laufzeit eines Doppelhaushalts abgesichert sind. Hierzu werden wir das bestehende Pilotprojekt (Förderung mit wiederkehrendem Bedarf) schnellstmöglich ausweiten. Außerdem braucht es Kriterien für die Frage, wie die Zusammenarbeit mit neuen Projekten gestaltet werden kann und zum Beispiel über spezielle Töpfe im Haushalt.
Eine fixe Zahl zur Höhe des künftigen Budgets für Demokratiebildung und politische Bildung können wir Ihnen an dieser Stelle nicht seriös, verbindlich zusagen. Dazu werden wir in Koalitions- und Haushaltsberatungen innerhalb der zukünftigen Koalition gemeinsam einen Konsens finden müssen. Was wir Ihnen zusagen können, ist, dass wir Tarifmittel und Preissteigerungen ausgleichen wollen und dass wir die Strukturen der Demokratiebildung und demokratischen Bildung insgesamt stärken wollen.
8. Frühkindliche Bildung
- Welche Pläne verfolgen Sie für die Sprachförderung in der frühkindlichen Bildung?
- Wie stehen Sie zu den Forderungen nach verpflichtenden Sprachtests, Kitapflicht und Lernbausteinen zur Sprachförderung in der Kita?
Bündnis 90/Die Grünen
Wir wollen die Sprachbildung in Kitas weiter ausbauen, damit alle Kinder gut ins Leben starten können. Das heißt zum einen, dass auch erstsprachliche Kompetenzen bei Kindern, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, besser gefördert werden müssen und sprachliche Vielfalt als Gewinn wertgeschätzt wird. Dies umfasst sowohl Laut- als auch Gebärdensprachen sowie behinderungsbedingt erforderliche alternative Kommunikationsformen. Zum anderen bedeutet es, dass Kinder, deren Kompetenzen in der deutschen Sprache nicht ausreichend entwickelt sind, um nach der Einschulung dem Unterricht folgen zu können, frühzeitig besser unterstützt werden müssen. Nach Hamburger Vorbild wollen wir deshalb nach der Sprachstandserhebung bei Vierjährigen verbindlich entsprechende Förderangebote implementieren. Dabei spielt auch die gemeinsame Sprachbildung in Kita und Familie eine entscheidende Rolle. Sie schafft eine Bildungspartner*innenschaft, die auf Wertschätzung basiert und Kinder durch alltägliche Aktivitäten fördert. Dafür wollen wir Angebote der alltagsintegrierten Sprach- und Familienbildung stärken und ausbauen. Fachkräfte aus dem ehemaligen Programm Sprach- Kitas sollen in Berliner Kitas ihre erworbene Expertise weiter anwenden und weitergeben können. Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote für Sprachkräfte sollen implementiert und bedarfsgerecht ausgebaut werden, damit besonders Kinder mit festgestelltem hohen Sprachunterstützungsbedarf passgenau gefördert werden können.
Die Linke
Mehrsprachigkeit in der Kita ist eine wertvolle Ressource, von der alle profitieren. Die eigene Herkunftssprache wirkt identitätsstiftend und es ist erwiesen, dass das gute Sprechen der Herkunftssprache auch das gute Erlernen weiterer Sprachen begünstigt. Wir setzen uns deshalb dafür ein, dass die Vielfalt der Herkunftssprachen in der Ansprache von Eltern und im Kitaalltag Anerkennung, Bestärkung und Anwendung findet, etwa in kitaeigenen Sprachwerkstätten. So trägt Berlin der vielfältigen Stadtgesellschaft Rechnung, vermeidet Ausgrenzung und befördert den Erwerb der deutschen Sprache.
Jedes Kind hat ein Recht auf Sprachförderung. Wir stehen für das Ziel ein, allen Kindern einen mindestens 24-monatigen Kitabesuch vor Schuleintritt zu ermöglichen, denn der Zusammenhang zwischen der Sprachkompetenz von Erstklässler*innen und Kitabesuchsjahren ist evident. Die Zuständigkeit der bezirklichen Jugend- und Schulämter für die Sprachstandsfeststellungen muss neu geordnet werden. Die Linke spricht sich gegen Bußgelder für vermeintlich unkooperative Eltern aus und setzt sich für eine vertrauensbasierte Sozialarbeit in den Kiezen ein.
9. Beschulung geflüchteter Kinder und Jugendlicher ohne deutsche Sprachkenntnisse
- Wie beurteilen Sie die Existenz von “Lagerschulen” in Flüchtlingseinrichtungen Berlins und die Tendenz, weitere einzurichten?
- Was ist notwendig, um die in Flüchtlingseinrichtungen lebenden Kinder und Jugendlichen einen Besuch der Regelschule zu ermöglichen und diesen gesetzeswidrigen Zustand zu beenden?
Bündnis 90/Die Grünen
Alle Kinder haben das Recht auf gleichberechtigte Teilhabe am Bildungssystem. Die separierende Unterbringung und Beschulung in Flüchtlingsunterkünften wollen wir schnellstmöglich beenden und allen Kindern einen Willkommensplatz an einer Regelschule anbieten. Dazu gehört auch, Kinder und Jugendliche, die als Geflüchtete zu uns gekommen sind, möglichst schnell mit anderen in Regelklassen lernen zu lassen, um Integration vom ersten Tag an Stück für Stück zu ermöglichen. Dafür entwickeln wir ein alters- und kompetenzabhängiges Konzept zum Übergang von den Willkommensklassen in die Regelklassen, wie sie auch bereits in anderen Bundesländern existieren, und stärken Lehrkräfte, die dafür notwendigen Fähigkeiten zu erwerben, indem wir das Schulfach „Deutsch als Zweitsprache“ mit verbindlichem Curriculum anerkennen und zusätzliche Fortbildungen in diesen Bereichen ermöglichen.
Die Linke
Jedes Kind hat das Recht auf schulische Bildung, unabhängig von seiner Herkunft – und zwar ab der Ankunft in Berlin. Diesen Anspruch wollen wir umsetzen und u. a. indem wir Räumlichkeiten in Schulen, die für nicht-schulische Zwecke genutzt werden, freiziehen und so Platz für mehr Willkommensklassen schaffen, aber auch indem wir notfalls vorübergehend die Frequenz in Willkommensklassen leicht erhöhen. Willkommensklassen bieten einen geschützten Raum des ersten Ankommens. Dabei muss von Beginn an Kontakt zu Gleichaltrigen in Regelklassen sowie die Perspektive eines zeitnahen Übergangs gegeben sein. Dafür muss das Übergangsmanagement in den Bezirken verbessert werden. Insbesondere den Übergang mit dem Wechsel in die Sekundarstufe I wollen wir durch die Stärkung des Losanteils diskriminierungsfreier und einfacher gestalten. Einen segregierten Schulbesuch in Gemeinschaftsunterkünften lehnen wir entschieden ab, genauso wie fixe Altersgrenzen für den Besuch von Willkommensklassen.
10. Demokratie im Sozialraum und in der Stadtgesellschaft
- Wie wollen Sie demokratische Teilhabe auf bezirklicher Ebene stärken?
- Welche Rolle spielen Quartiersarbeit und lokale Initiativen in Ihrer Strategie?
- Wie unterstützen Sie Projekte, in denen sich Schülerinnen und Schüler mit sie betreffenden kommunalen Angelegenheiten beschäftigen und einbringen?
Bündnis 90/Die Grünen
Ganz Berlin soll zur „Kinderfreundlichen Kommune“ werden. Wir wollen, dass unsere Kinder echte Beteiligungserfahrungen sammeln – sei es in strukturell verankerten Kinder- und Jugendgremien, bei Bauprojekten im Stadtteil oder in Klimaschutzinitiativen. Dazu schaffen wir die rechtlichen Grundlagen für Stimm- und Antragsrechte von Kinder- und Jugendgremien in allen zwölf Bezirksverordnetenversammlungen durch die Festschreibung dieser im Bezirksverwaltungsgesetz. Wir setzen uns auch weiterhin für die Etablierung altersgerechter, inklusiver sowie pädagogisch begleiteter Beteiligungsformate ein, in denen Kinder und Jugendliche ihre Perspektiven in die Gestaltung ihres direkten Lebensumfeldes miteinbringen können, z. B. bei der Ausstattung von Spielplätzen, bei Maßnahmen der Verkehrssicherheit oder der Pflanzung von Stadtbäumen. Die Kinderrechte der UN-Kinderrechtskonvention wollen wir in der Verfassung Berlins, im Bezirksverwaltungsgesetz und in der frühkindlichen Bildung verankern. Zudem wollen wir Schulen und Sozialräume stärker miteinander vernetzen und erfolgreiche Ansätze wie z.B. „Lernen durch Engagement“ weiterverfolgen.
Die Linke
Wir setzen uns für verbindliche Rede- und Beteiligungsrechte junger Menschen in den Bezirksverordnetenversammlungen, Jugendhilfeausschüssen und allen anderen relevanten Gremien ein und werden entsprechende Rechtsanpassungen vornehmen, denn ob Bildung, Verkehr, Kultur, Stadtentwicklung oder Sicherheit – Entscheidungen in all diesen Politikfeldern nehmen unmittelbar Einfluss auf die Lebenswirklichkeiten junger Menschen. Auch auf Landesebene wollen wir die Beteiligungsstrukturen für junge Menschen ausbauen und dabei innovative Wege gehen. Die Vielfalt der Formate und eine breite Repräsentanz aller Kinder und Jugendlichen sind hier für uns zentral wichtig.
Das bundesweit einzigartige Berliner Kinder- und Jugendförder- und Beteiligungsgesetz (JugFöG) haben wir als Die Linke Berlin in Regierungsverantwortung maßgeblich mitgestaltet und durchgesetzt. Daran anknüpfend wollen wir Räume der Kinder- und Jugendbeteiligung wie bezirkliche Kinder- und Jugendparlamente stärken und sie mit weitgehenden Rechten ausstatten. Um wirksame Unterstützungs- und Förderangebote für Kinder- und Jugendbeteiligung zu etablieren, braucht es eine lebensweltorientierte Planung mit Verbindlichkeit, Rückkopplung und eine zeitnahe Umsetzung der formulierten Bedarfe.
Den Jugenddemokratiefonds wollen wir finanziell aufstocken. Wir werden das JugFöG weiterentwickeln und echte Kinder- und Jugendbeteiligung mit verbindlichen Jugendbudgets in allen Bezirken verankern. Dabei setzen wir auf niedrigschwellige Zugänge und breite Beteiligung, sodass potenziell alle jungen Menschen echte Mitgestaltungsrechte und Selbstwirksamkeit erfahren. Für echte Mitgestaltung und Selbstwirksamkeit wollen wir einen selbstverwalteten Jugendort pro Bezirk schaffen und Kinder- und Jugendbeteiligung mit verbindlichen Jugendbudgets in allen Bezirken verankern. Dabei setzen wir auf niedrigschwellige Zugänge und breite Beteiligung, sodass potentiell alle jungen Menschen partizipieren.
Siehe außerdem 3!