Demokratie lernen & leben

18.11.14 15:35 Alter: 2 yrs

„Demokratie gestalten“ - Rückblick auf den 2. Demokratietag in Nordrhein-Westfalen

Kategorie: Nordrhein-Westfalen, Aktuell

Von: Mario Förster (Jena)

Zweiter Demokratietag Nordrhein-Westfalen am 24. Oktober in der Albert-Schweitzer-/Geschwister-Scholl-Schule in Marl

Am 24. Oktober trafen sich rund 160 Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Interessierte in der Aula der Schule mit dem wohl längsten Schulnamen in ganz Nordrhein-Westfalen: dem Albert-Schweitzer-/Geschwister-Scholl-Gymnasium in Marl. Ziel der Veranstaltung war es, sich gemeinsam an Infoständen verschiedener Initiativen, in Workshops und Vorträgen rund um das Thema „Demokratie“ zu informieren, darüber hinaus aktiv zu werden und sich für eine demokratische Gesellschaft stark zu machen. Eingeladen haben die Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik und das Ministerium für Schule und Weiterbildung.

Dialog zwischen den Generationen

Im Gedenkjahr 2014 erinnern wir an den 100. Jahrestag des Ersten bzw. den 75. Jahrestag des Zweiten Weltkrieges und blicken gemeinsam auf das 25. Jahr nach dem Mauerfall. Demokratie gestalten und dabei die Erfahrungen der Generationen im Blick behalten, ist daher auch das Motto des zweiten Demokratietages in Nordrhein-Westfalen. Nach der Begrüßung der Gäste durch den Schulleiter des ASGSG Klaus Jürgen Koch, eröffnete die Ministerin für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalens, Sylvia Löhrmann, den zweiten Demokratietag. In ihrer Rede betonte die Ministerin die Bedeutung des Austauschs zwischen den Generationen für unsere Demokratie: „Eine lebendige Demokratie braucht die reflektierten Erfahrungen der Vergangenheit, um die Gegenwart zu gestalten und sich für die Zukunft zu öffnen. Die demokratische Schule der Zukunft ist somit auch eine Schule, die den Dialog zwischen den Generationen sucht.“ Dass dabei die weltpolitischen Ereignisse des aktuellen Jahres nicht vergessen und  ebenso unsere besondere Aufmerksamkeit bedürfen, betonte die Ministerin. Sie sieht dabei eine elementare Bedeutung der Demokratiepädagogik für die Arbeit in den Schulen: „Schulen der Zukunft sind demokratische Schulen, in denen Partizipation und Engagement für Menschenrechte, Freiheit, Demokratie und nachhaltige Entwicklung den Lehrplan, den Unterricht und die Schulkultur prägen.“

Mitmachen und Einmischen

Demokratie lebt vom Mitmachen und Einmischen. Daher begann nach der Begrüßung durch die Ministerin unter dem Motto „Sechs Ecken! – Verschiedene Generationen – Sechs Meinungen?“ ein gemeinsamer Dialog zu Fragen der Demokratie. Kinder, Jugendliche und Erwachsene  diskutierten an sechs Stellen der Schulaula über ihre Erfahrungen zum Thema Demokratie und Schule, entwarfen dabei Ideen für eine demokratische Weiterentwicklung von schulischer Bildung und Gesellschaft und schrieben diese auf.  Als Politikerin zum Anfassen zeigte sich dabei Ministerin Löhrmann:  Im direkten Gespräch informierten die Schülerinnen und Schüler die Ministerin über ihre Erfahrungen. Der sich anschließende Vortrag des renommierten Jenaer Bildungswissenschaftlers Prof. Dr. Peter Fauser unterstützte das Ergebnis der Diskussion, dass Demokratie nicht nur eine Herrschafts- sondern auch eine Gesellschafts- und Lebensform ist. Wie wichtig in der Schule dabei die Anerkennung des Anderen und die gegenseitige Achtung aller an Schule Beteiligten für eine demokratische Gesellschaft ist, das stellte Prof. Fauser in seinen kurzweiligen und auf aktive Mitarbeit setzenden Vortrag besonders heraus. Er thematisierte weiterhin, warum der Mathematikunterricht im Prinzip genauso Demokratieunterricht ist.

Während der Mittagspause ist der Austausch zwischen den Gästen des Demokratietages fortgesetzt worden, bevor am Nachmittag in zehn Workshops intensiv an verschiedenen Themen gearbeitet werden konnte. Die Bandbreite der angebotenen Workshops spiegelt dabei auf sehr unterschiedliche Art und Weise die Form von Demokratie im Schulalltag wieder. So war es beispielsweise möglich, sich zum Thema der Umsetzung eines Klassenrates und zu den Rechten von Schülerinnen und Schülern in NRW informieren. Konkrete Projektbeispiele stellte das Förderprogramm Demokratisch Handeln vor, welches auf eine Projekterfahrung von über 5000 Projekten aus 25 Jahren blicken kann. Eine nicht immer leichte und doch sehr sensible Auseinandersetzung konnte man im Workshop „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ erleben, indem der alltägliche Rassismus in unserer Gesellschaft und dementsprechend auch im Bildungswesen thematisiert wurde. Dass Demokratie natürlich auch Spaß macht,  zeigte sehr gut der Workshop von Kirsten Sünneker und Peter Voss aus Münstermit dem Titel „Demokratie trifft Erlebnispädagogik“. Demokratie als Lebensform im Schulalltag konnte sichtbar und erlebbar gemacht werden.

Nach der verdienten Kaffeepause brachte die Abschlusspräsentation die intensive Arbeit in den Workshops zum Ausdruck.

Die Präsentation der Workshopergebnisse moderierte  Thomas Philipzen. Der Kabarettist und Moderator aus Münster begleitete den gesamten Demokratietag in Marl und sicherte durch seine gelungene Moderation, dass auch nach einem langen Tag keine Müdigkeit aufkam. Schließlich fasste Prof. Dr. Hermann-Josef Abs von der Universität in Essen den Tag zusammen. In seinem Statement forderte Prof. Abs auf, sich für Demokratie stark zu machen und mit Blick auf die Gefährdungen der Demokratie: „Mehr Widerstand“.

Bevor nach fast sieben Stunden, sich ein spannender Demokratietag für die Gäste in Marl dem Ende zuneigte, sorgte die Zumbagruppe der Karlschule aus Hamm mit ihrem zweiten Auftritt an diesem Tag noch einmal für Bewegung. So traten alle zufrieden und beschwingt die Heimreise an.

Marioa Förster, Autorenbeitrag