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Argumente gegen NPD

Demokratische Argumente gegen die NPD                                          

                                       

Quelle

NPD-Position (Originalzitat[1])

Erwiderung

Kommentar

PP 1

Volkstum und Kultur sind die Grundlagen für die Würde des Menschen. Deswegen trägt der Staat, dessen  Aufgabe der Schutz der Menschenwürde ist, Verantwortung für das Volk.

Die Menschenwürde ist unauflöslich mit individuellen Freiheitsrechten verbunden. Das Menschenrecht steht über dem Kollektiv. Sinn einer freiheitlichen Verfassung ist es, den Einzelnen vor der Beeinträchtigung seiner Rechte zu schützen. Diese kann vom Staat, aber auch von Kollektiven oder einer demokratischen Mehrheit ausgehen.

Das völkisch-biologistische Konzept der NPD steht im Widerspruch zum Menschenrechtsverständnis freiheitlicher Verfassungen und der UN-Charta.

PP 2

Die Familie ist Träger des biologischen Erbes. Ein Volk, das tatenlos zusieht, wie die Familie zerstört wird oder ihre Kraft verliert, wird untergehen, weil es ohne gesunde Familien kein gesundes Volk gibt.

Die Familie steht unter dem besonderen Schutz des Grundgesetzes, jedoch nicht aus Gründen der biologischen Arterhaltung. Die Familie ist vor staatlichem oder kollektivem Eingriff geschützt, damit das Individuum sein Recht auf Privatsphäre verwirklichen kann. Das gilt auch für das Zusammenleben von nicht leiblich Verwandten. 

In allen modernen Gesellschaften konkurriert die Familie heute mit anderen Lebensformen. Auch bei der NPD gibt es Singles, Schwule und Geschiedene.  

Die NPD stellt sich hier deutlich in die Tradition der NSDAP. Wenn das Volk an das biologische Erbe der Familie gebunden ist, ist es ein „Volkskörper“ im Sinne der NS-Rassenlehre. Die „Gesundheit“ des Volkskörpers ist, wie beim Nationalsozialismus, für die NPD Staatsziel. Die Praxis der „Rassenhygiene“ wird aber - wohl aus taktischer Vorsicht - nur angedeutet, wäre aber für die NPD nur konsequent.  

AKF 1.2

Nur ethnisch geschlossene Gesellschaftskörper mit geringem Ausländeranteil sind solidar- und belastungsfähig, nur sie können positive Gemeinschaftskräfte zur Krisenbewältigung entwickeln. (...) Masseneinwanderung ist deshalb eine schleichende Form des Völkermords. (...) In einem großen Schmelztiegel verkocht alles, bis aus Weißen und Schwarzen ‚Graue’ geworden sind. Diese entwurzelten und vereinsamten Einheitsmenschen sind dann wehrloser Spielball von Regierungen, Medien und Wirtschaft, weil sie keine schützende Gemeinschaft mehr bilden können. 

Für diese „Theorie“ bleibt die NPD jeden Beleg schuldig. Ethnisch homogene Gesellschaften gibt es kaum. Auch die Deutschen sind kein Stamm. Das Staatsvolk der Deutschen ist ethnisch heterogen - es vereint z. B. Friesen, Bayern und Sorben - und es ist deshalb auch  „multikulturell“.   

Die NPD träumt von Apartheid und stellt eine völlig abstruse Verbindung zwischen ethnischer Heterogenität, Individualismus und Wehrlosigkeit her.

 

Hier versucht die NPD, eine Brücke zwischen ihrer Rassenlehre und einem Linkspopulismus à la Lafontaine zu bauen.     

Der Text zeigt, dass der NPD-Begriff der „Gemeinschaft“ eine aggressiv biologistische Bedeutung hat; ausgeschlossen wird, wer anders ist.

 

Der Begriff des Völkermords wird demagogisch auf Einwanderung und  Einwanderungspolitik gemünzt.

 

Das Bemühen der NPD ist es, „linke“ Emotionen mit dem völkischen Denken zu verbinden. Die Option ist also im Wortsinne national-sozialistisch.  

PP 3

Volksherrschaft setzt Volksgemeinschaft voraus. (...) Der Staat hat dabei über den Egoismen einzelner Gruppen zu stehen und die Gesamtverantwortung wahrzunehmen. Er ist Wahrer des Ganzen. (...) Der Einfluss des Volkes muss durch Volksentscheide und direkte Wahlen gestärkt werden. (...) Der Präsident ... soll nicht durch die Parteien, sondern unmittelbar durch das Volk gewählt werden.

Die NPD vermeidet jedes positive Wort zum Parlamentarismus. Sie gibt sich, taktisch verbrämt, „parlamentarismuskritisch“ (AKF 3.10). Was sie mit „direkten Wahlen“ meint, ist nicht klar - die gibt es ja in der Bundesrepublik. Ihre Staatsvorstellung negiert den Parteienpluralismus und ist autoritär.

In der freiheitlichen Demokratie muss staatliches Handeln immer der Willensbildung des Volkes und der Debatte der Volksvertreter ausgesetzt sein. Der Staat darf nie der Kritik entzogen sein.  

Die NPD leitet ihre Vision einer „Volksgemeinschaft“ aus einem völkisch-biologistischen Gesellschaftsbild ab, in dem für den aufgekärten Streit um die bessere Lösung kein Platz ist. So zieht sich bei ihr eine Linie vom genetisch homogenen Volk über die plebiszitäre Demokratie zum starken Präsidenten. J.J. Rousseau und Carl Schmitt lassen grüßen.

AKF 3.10

Wir wollen das liberale Parteienregime - ganz demokratisch! - durch ein neues Gemeinwesen mit einem gewählten Präsidenten und Volksabstimmungen in allen Lebensfragen der Nation ablösen. Ein solches plebiszitäres Präsidialsystem würde die deutsche Politik aus dem Würgegriff der Blockparteien und der eigensüchtigen Interessengruppen befreien. Es entstünde eine wirkliche Volksherrschaft mit einer „Identität von Regierten und Regierenden“ (Carl Schmitt). 

Die NPD ist für die Abschaffung des Parlamentarismus. Der Parteienpluralismus ist ihr ein Dorn im Auge. Den hohen Rang der parlamentarischen Opposition ignoriert sie. Nicht mehr erkennbar ist, wie die Gewaltenteilung funktionieren soll. Wer bestimmt, was eine „Lebensfrage der Nation“ ist? Der Präsident? Und was heißt „Parteienregime ablösen“? Die Parteien verbieten, wie 1933?

Die unverhohlene Bezugnahme auf den Rechtstheoretiker des NS-Regimes spricht für sich. Carl Schmitts Identitäts-These rechtfertigte das, was unter der Parole „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ praktiziert wurde. Opposition störte dabei. Was mit dem Verbot der demokratischen Parteien begann, endete für viele politische Gegner der Nazis im Konzentrationslager.  

AKF 3.7

Das Grundgesetz hat Entstehungs- und Strukturmängel: Es ist ein Diktat der Westalliierten, es ist vom deutschen Volk nie in einer Volksabstimmung abgesegnet worden, die Grundrechtsbestimmungen triefen vor Menschenrechtstümelei und stellen Deutsche im eigenen Land de facto mit Ausländern gleich, und das Grundgesetz hat einem gemeinwohlschädigenden Individualismus und Parteienregime den Weg geebnet.

Es besteht kein Zweifel daran, dass die grundgesetzliche Ordnung dem Volkswillen entspricht. Der demokratische Verfassungsstaat ist immer wieder in freien Wahlen legitimiert worden. Die NPD bekräftigt hier ihre Abneigung den Parteienpluralismus. Ohne diesen jedoch gibt es keine politische Freiheit des Einzelnen. Noch klarer entlarvt sich die NPD dort als Menschenrechtsfeindin, wo sie gegen den Kernbestand des Grundgesetzes polemisiert.

Die völkische Ideologie der NPD ist mit dem Grundgedanken einer freiheitlich-demokratischen Verfassung unvereinbar. Wer die Existenz von Menschenrechten bestreitet und die Rechte des Einzelnen von Herkunft oder Rasse abhängig macht, ist ein Feind der Demokratie. Die NPD-Position erinnert deutlich an Adolf Hitlers Devise „Recht ist, was dem Volke nützt“.

PP 4

Deutschland muss wieder deutsch werden. (...) Ein grundlegender politischer Wandel muss die menschenfeindliche Integrationspolitik beenden sowie die deutsche Volkssubstanz erhalten.

Menschenfeindlich ist die Vorstellung der NPD von einer „Entausländerung“ Deutschlands. Da das Deutschsein im Sinne der NPD ethnischen Kriterien unterliegt, wäre wahrscheinlich ein nicht unerheblicher Teil der NPD-Anhänger selber betroffen; denn wer z. B. eine polnische Großmutter hat, wäre demnach nicht richtig deutsch. 

Die NPD lehnt die Integration von Einwanderern und Flüchtlingen aus Gründen der „Volkssubstanz“ ab, weil sie sich der Arterhaltung der „Rasse“ oder des biologischen „Volkstums“ verschreibt.

AKF 1.4

Bei den hauptsächlich abzuschiebenden Einwanderergruppen kommt es (noch) vergleichsweise selten zu Mischlingen. Die Mischlinge, die deutsch-nichteuropäischen Beziehungen entstammen, werden das sich renationalisierende Deutschland über kurz oder lang freiwillig verlassen, weil ihnen der nationale Klimawandel nicht passt. (...) Zielland solcher Mischlinge werden naheliegenderweise die USA sein, wo es nie eine Volksgemeinschaft und Kulturnation, sondern nur eine durchrasste Staats- und Einzelwillennation von haltlosen Sozialatomen gab, wo der ethno-kulturell kastrierte Einheitsmensch ohne Identität und Heimat wie Unkraut gedeiht.

Die NPD operiert hier unverhohlen mit rassistischem Vokabular und stellt - der Zynismus ist unverkennbar - einen politischen Auswanderungsdruck für den Fall ihrer Machtübernahme in Aussicht, und zwar auch für solche Deutschen, die zwar hier geboren sind und lange hier leben, aber aus NPD-Sicht nicht die richtige Hautfarbe haben.

 

Die besonders giftige Passage gegen die US-Gesellschaft erinnert in der Diktion stark an Hitlers „Mein Kampf“, was wahrscheinlich sogar beabsichtigt ist (Häufung von Kraftausdrücken und Schimpfwörtern, um Ressentiments aufzugreifen oder zu schüren).  

Große Teile des ersten Kapitels der NPD-Broschüre (Ausländerthema) sind in Wortwahl und Stil deutlich aggressiver als die späteren Kapitel. Fremdenhass und Rassismus bieten der NPD offenbar die stärksten emotionalen Antriebe.

 

Der Anti-Amerikanismus ist in den NPD-Tiraden immer der Zwillingsbruder des Antisemitismus.     

AKF 2.2

Es handelt sich bei der Globalisierung um das planetarische Ausgreifen der kapitalistischen Wirtschaftsweise und des Großen Geldes. Dieses hat, obwohl seinem Wesen nach jüdisch-nomadisch und ortlos, seinen politisch-militärisch beschirmten Standort vor allem an der Ostküste der USA. Deshalb ist Globalisierung eine unverblümte Imperialismusstrategie der USA, um der ganzen Welt den von US-Konzernen ausbeutbaren American Way of Life - besser: American Way of Death - aufzuzwingen. 

Die „Ostküsten-Juden“ haben einen festen Platz im Feindbild der NPD. Auffallend an dem Zitat ist die - bei der NPD oft auftauchende - Zirkellogik, also die Variierung der Behauptung, was hinter der Globalisierung stecke, anstelle eines echten Arguments. Der Hass auf Amerika als Siegermacht gegen das NS-Deutschland wird hier sowohl ökonomisch als auch lebensweltlich verbrämt: so wird der bei uns angeblich vorherrschende Lebensstil (gibt es den so überhaupt?) als amerikanisch denunziert.  

Die NPD folgt hier der bekannten Empfehlung aus Hitlers „Mein Kampf“, mehrere Feinde zu einem einzigen Feindbild zusammenzukomponieren, um die eigene Anhängerschaft nicht zu überfordern[2]. Für Populisten von rechts bis links ist das immer ein bewährtes Handwerkszeug. 

AKF 3.3

Bei einer Nation handelt es sich um eine Gemeinschaft von Menschen, die durch Geburt zusammengehören. Deutscher ist man (durch Herkunft), aber man wird es nicht (durch einen Pass).

Die NPD erkennt den Begriff des Staatsvolks nicht an, sondern geht von einer biologischen Gemeinschaft aus. Diese ethnisch verengte Vorstellung blendet z. B. auch die historische Realität von Völkerwanderungen aus. In allen aufgeklärten Staaten gibt es Einbürgerungen von Menschen verschiedenster Herkunft.   

Es ist ein Vermächtnis der Bundesrepublik, politisch Verfolgten Asyl zu gewähren; das ist eine der Lehren aus der NS-Herrschaft. Eine Einbürgerung allein aus ethnischen Gründen zurückzuweisen, wäre in jedem Fall verfassungswidrig.

PP Vorsp

Die ‚multikulturelle Gesellschaft’ soll durch Austausch des Volkes die tragenden Schichten an der Macht halten.

Eine paranoide Verschwörungsphantasie, derzufolge die „etablierte Politik“ aus einem ethnischen Grundmotiv heraus handelt.

Die NPD schließt von ihrer eigenen rassistischen Staatsvision auf die von ihr bekämpfte Gegenposition.

AKF 1.2

Wir sind gegen einen Vielvölkerstaat auf deutschem Boden, weil er ... den Keim des Kulturen- und Völkerkrieges in sich trägt. Multikultur ... endet in Mord und Totschlag, weil hier Völkerschaften auf einem Flecken Erde zusammenkommen, die nicht zusammengehören und nicht zusammengehören wollen.

Der jugoslawische Völkermord hat damit begonnen, dass die Serben sich als Serben und die Kroaten sich als Kroaten „wiederentdeckten“, also ihrem Nationalismus freien Lauf ließen. Einen solchen Weg schlägt die NPD nun den Deutschen unter den Europäern vor. -

 

Der Neonazismus hat in Deutschland seit der Wende den Tod von mind. 124 Menschen zu verantworten. Die Ausländerfeindlichkeit ist oft dort am größten, wo - wie in vielen Gegenden Ostdeutschlands - die Einwandererquote am geringsten ist.

Deutschland ist Kernland Europas und in die Weltwirtschaft integriert. Deshalb brauchen wir Mitbürger, die Fremden gegenüber aufgeschlossen sind. Wer als Deutscher unter sich bleiben will, bleibt rückständig und kann seinen Mitmenschen keine Zukunftsperspektive bieten.

Mord und Totschlag gibt es dort, wo ethnische Vorurteile dominieren und in Gewalt umschlagen. Es gibt keine Völkerschaften, die einwandern, sondern nur einzelne Menschen.

Für diese ist jedoch die Bedrohung in den „national befreiten Zonen“ Ostdeutschlands am größten. -

 

Nicht der Ausländeranteil entscheidet darüber, wie friedlich eine Gegend ist. In vielen unserer Großstädte sind gerade die multikulturellen Viertel die friedlichsten, weil dort Toleranz geübt und gelebt werden kann.

Die NPD ist für ein ethnisches „Ghetto“, wenn es eben nur deutsch ist. 

PP 9

Auf der ganzen Welt erteilt der Aufbruch der Völker dem multikulturellen Einheitswahn eine Absage. Grundlage einer europäischen Neuordnung muss das Bekenntnis zum nationalstaatlichen Ordnungsprinzip, zur Anwendung des Selbstbestimmungsrechts der Völker und zum Prinzip der Volksabstammung sein.

Damit müsste die NPD hinter die bisher erreichte europäische Integration deutlich zurückgehen und empfehlen, dass Deutschland - mitten in Europa - diverse Verträge aufkündigt. Eine deutsche Rassenpolitik würde jedoch zur totalen Isolation in der EU führen. Die NPD geht jedoch sogar Bündnisse mit den verbohrtesten Nationalisten anderer Länder ein. Wieso soll das zum Vorteil für Deutschland sein?

Die NPD bezieht sich positiv auf Stammeskriege, Völkermord und auf den Dschihadismus. Denn einen „Aufbruch der Völker“ gegen die Multikulturalität gibt es heute nur in diesen Erscheinungsformen.  

PP 15

Die tapfere Haltung deutscher Soldaten aller Zeiten muss Vorbild der Bundeswehr sein. Der Oberbefehl über deutsche Soldaten muss in deutscher Hand liegen. Die Bildung eines deutschen Generalstabs ist erforderlich. Deutsche Streitkräfte dürfen nicht Mittel internationaler Großmachtpolitik sein. Daher fordert die NPD den Austritt aus der NATO (...).

Die NPD will Hitlers Wehrmacht rehabilitieren, unabhängig davon, ob deutsche Soldaten Verbrechen begangen haben oder nicht. Für sie gibt es eine Ehre ohne Recht und Moral. Kriegsverbrecher feiert sie als Helden.

 

Der internationale Terrorismus ist für die NPD kein Problem. Kein Wunder: sie steht häufig sowieso auf der anderen Seite. (Versuchte Teilnahme Horst Mahlers an Ahmadineschads „Holocaust-Konferenz“, Kontakte mit islamistischen Terrorgruppen).

Die Perspektive einer unabhängigen Militärmacht Deutschland ist äußerst dubios. Die NPD fischt auch hier im linken Gewässer und versucht sogar, sich eine Brücke zum Pazifismus zu bauen.

 

In der Rückwendung auf eine rein deutsche Verteidigungspolitik schlummert der Geschichtsrevisionismus, d. h. die  Reinwaschung des „Dritten Reiches“.

PP 11

Wir wehren uns gegen die moralische Selbstvernichtung unserer Nation durch die einseitige Schuldzuweisung zu Lasten Deutschlands. (...) Wir fordern ... ein Ende der einseitigen Vergangenheitsbewältigung. Wir Deutschen sind kein Volk von Verbrechern.

Die NPD möchte die Kriegsschuld Hitlerdeutschlands und die Tatsache der Judenvernichtung in Frage stellen. In ihren „Argumenten für Kandidaten und Funktionsträger“ gibt sie Tipps, wie man sich als NPD-Vertreter herausreden kann, sobald es um Holocaust und NS-Diktatur geht (AKF 3.11 ff.)

Immer, wenn NPD-Leute auf die Zeit von 1933-45 angesprochen werden, lenken sie von den Verbrechen des Nationalsozialismus ab und münzen Begriffe im Dienste ihrer Geschichtsklitterung um („Bomben-Holocaust“ für die Bombardierung Dresdens).     

PP 10

Wir fordern die Revision der nach dem Krieg abgeschlossenen Grenzanerkennungsverträge. (..) Die unsere Geschichte missachtende und gegen das Völkerrecht verstoßende bedingungslose Preisgabe deutscher Gebiete ist nicht hinzunehmen. 

Der Frieden in Europa ist ohne die Anerkennung der bestehenden Grenzen nicht denkbar. Die NPD muss sich fragen lassen, auf welchem Wege sie die Wiedererlangung ehemaliger deutscher Reichsgebiete im Osten zu erreichen gedenkt. Durch einen Krieg gegen Polen? Oder wie sonst?

Wir dürfen hier imperialistische Motive vermuten, die vermutlich aus taktischen Gründen nicht weiter ausgeführt werden. Die NPD träumt unverblümt von der Wiederherstellung eines „großdeutschen Reiches“.  

PP 14

Es herrschen gravierende Missstände im deutschen Rechtssystem vor, so etwa die staatliche Verfolgung politisch Oppositioneller (...). Die NPD setzt sich deswegen für eine Reform des deutschen Rechtssystems ... ein. Dazu gehören (...) Wiedereinführung der Todesstrafe in besonders schweren Fällen bei wiederholtem Sexual-, Kindes-, Raub und Massenmord und bei schwersten Fällen des Drogenhandels.

Die NPD polemisiert (auch an anderen Stellen) gegen eine „politische Justiz“ und will rechtsextreme Straftäter durch Änderung des Rechtssystems der Verfolgung und Bestrafung entziehen. Ihre „politisch Oppositionellen“ sind oft schwerer Straftaten überführt worden - bis hin zu Mord und Totschlag.

Im deutschen Rechtsextremismus gibt es mehr Straftäter als im gesamten übrigen politischen Spektrum.  

Mit dem Eintreten für die Todesstrafe stellt sich die NPD außerhalb des Konsenses der zivilisierten demokratischen Staatengemeinschaft (übrigens mit Ausnahme der USA, was ihr aber so peinlich ist, dass sie diese Gemeinsamkeit nicht erwähnt).

AKF 2.1

Wir schaffen Arbeit für Deutsche, indem wir die Einwanderung stoppen und die hier lebenden Ausländer in ihre Heimat zurückschicken. Die Massenarbeitslosigkeit ist eine direkte Folge der Masseneinwanderung. (...) Jeder nicht-selbstständige Ausländer belastet den hiesigen Arbeitsmarkt und das Sozialsystem. Wenn ein Ausländer Arbeit hat, besetzt er einen Arbeitsplatz, den grundsätzlich auch ein Deutscher einnehmen könnte. Wenn ein Ausländer keine Arbeit hat und deshalb Sozialhilfe bezieht, belastet er die Sozialkassen.

Die NPD führt die Gerechtigkeit im Munde, steht aber für Sozialraub und Erbarmungslosigkeit. Einwanderer, die zum Sozialprodukt beigetragen haben, sollen wegen ihrer Herkunft leer ausgehen. Zugleich verschweigt die NPD das ökonomische Interesse Deutschlands an seinen „Gastarbeitern“, die ja zunächst angeworben wurden. Und sie verschweigt, dass Einwanderer häufig die „Drecksjobs“ machen, für die sich kein Deutscher findet. Schließlich thematisiert sie überhaupt nicht die besondere Ausbeutung gerade ausländischer Arbeitnehmer mit unsicherem Status durch deutsche Unternehmen.

Hier zeigt sich, auf welch inhumane Politik die NPD-Programmatik praktisch hinauslaufen würde: Diebstahl an erbrachten Sozialleistungen;  Gnadenlosigkeit gegenüber Hilfsbedürftigen ohne deutschen Pass; Massenvertreibung aus Herkunftsgründen.

PP 4-6

Die Wirtschaft unseres Volkes ist nicht autonom, sondern Teil des Ganzen. (...) Die Führung  der Volkswirtschaft ist jedoch Aufgabe des Staates und unterliegt dessen letzter Entscheidung. (...) Die mittelständische Wirtschaft muss als lebenswichtiger Bestandteil unserer Volkswirtschaft erhalten und besonders in Mitteldeutschland gestärkt werden.

(...) Die NPD lehnt die in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung systematisch betriebene Internationalisierung der Volkswirtschaften entschieden ab.  (...) Das in Deutschland operierende Finanzkapital hat der deutschen Volkswirtschaft zu dienen. 

Das NPD-Bild von der Wirtschaft ist konfus, naiv und weltfremd. Es setzt der Globalisierung das Wunschbild einer abgeschotteten nationalen Wirtschaft entgegen, die zugleich staatlich gesteuert, antikapitalistisch und deutsch ist. Dabei weiß die NPD durchaus, dass es ein Auto, ein Flugzeug oder einen Computer aus rein deutschen Teilen nicht geben kann. Wie sie der Internationalisierung umkehren  will, sagt sie nicht.

 

Auch verschweigt sie, dass Deutschlands Wohlstand zu großen Teilen auf seinem Export beruht. Deutschland ist einer der Nutznießer der Globalisierung.

Die NPD malt die Idylle einer harmonischen mittelständischen Wirtschaft bei gleichzeitiger Staatskontrolle und Abschottung vom Ausland. Sie versucht sich damit zugleich bei kleinen Selbstständigen und bei der sozialistischen Linken anzubiedern.

Dennoch bleibt sie hier kleinlaut: eine Wiedereinführung der DM wagt sie nicht zu fordern, obwohl das die Konsequenz ihres Programms wäre.   

 

 

© Kurt Edler, Hamburg 2007


[1]              PP 1 = NPD-Parteiprogramm, Abschnitt 1. Das Programm ist in 15 Abschnitte gegliedert, eingeleitet von einer Präambel („Grundgedanken“).

                AKF = NPD-Schulungsbroschüre „Argumente für Kandidaten & Funktionsträger“. Autor ist Jürgen W. Gansel. Die Broschüre enthält drei Kapitel, und zwar zum                Ausländerthema, zur Wirtschafts- und Sozialpolitik sowie zu „allgemeinen NPD-Fragen“. Unsere Nummerierung folgt den Abschnitten der Kapitel. 

               

[2] „Es gehört zur Genialität eines großen Führers, selbst auseinanderliegende Gegner immer als nur zu einer Kategorie gehörig erscheinen zu lassen, weil die Erkenntnis verschiedener Feinde bei schwächlichen und unsicheren Charakteren nur zu leicht zum Anfang des Zweifels am eigenen Rechte führt.“ Mein Kampf (1925), S. 129.